Büro- und Werkhof Gasser (K&M)

Projektleitung

EIN WERKZEUG FÜR EINEN BAUMEISTER

Der auf dem eigenen Werkhof errichtete Neubau der Baumeisterfirma L. Gasser & Co. AG in Oberhasli schafft mit seiner ausdruckstarken Betonarchitektur einen neuen Ort in einer rauen Umgebung und gibt dem Unternehmen schon von weitem einen markanten Auftritt. Das Gebäude fasst die bisher an verschiedenen Standorten gelegenen Büroräume zentral zusammen. Mit dem gezielten Eingriff wurde die unentschiedene räumliche Situation auf dem Areal geklärt und der Auftritt des Unternehmens gegen die Kantonsstrasse neu artikuliert. Die Stellung des vom Boden abgehobenen Baukörpers schafft einen Hofraum, der dem Werkhofgelände einen klaren räumlichen Schwerpunkt gibt, ohne die Weite des Areals gegen das landwirtschaftlich genutzte Feld im Westen zu unterbrechen. Der auf zwei massiven Pylonen ruhende Baukörper ist als Brückenbauwerk mit der minimal notwendigen Erdberührung konzipiert. Dies erlaubt das grosszügige Rangieren von Fahrzeugen. Der schwebende Baukörper thematisiert aber auch das urtümliche Motiv des Bauens vom Tragen und Lasten. Eine grundlegende Absicht war es denn auch von Beginn weg, dass das Tragwerk eine entscheidende Rolle spielt und den Raumkörper formt.

 

STRUKTUR ERZEUGT RAUM

Der auf zwei massiven Pylonen lagernde Knochen, der Ortbetonkern, trägt eine Serie von vorfabrizierten 140cm hohen Deckenträgern. Fertigteildecken überspannen das Traggerüst und werden mit einem Überbeton zu einer massiven Decke vergossen. An den U-förmigen Aussenwandelementen der Längsseiten hängt schliesslich die Ortbetondecke. Die Stirnseiten sind in Ortbeton monolithisch mit beiden Deckenplatten verbunden und steifen die Konstruktion aus.  Damit sind sämtliche umfassenden Wände und Decken statisch notwendige Bauteile und untrennbar zu einem Skelett verbunden. Der schlanke Kern beherbergt alle dienenden Räume wie Archive, Küche und Toiletten und unterteilt den Baukörper in eine überaus grosszügige offene Halle mit Empfang, Administration und dem grossen Sitzungstisch auf der einen und der Zellenstruktur der Büros auf der gegenüberliegenden Seite. Alle Trennwände sind in Kalksandstein aufgemauert und können bei Bedarf entfernt oder versetzt werden. Die Leitungsführungen folgen dem architektonischen Konzept: sämtliche Erschliessungen mit Wasser, Luft und Energie werden vom nördlichen  als Technikzentrale ausgestatteten Pfeiler in das zentrale Nervensystem entlang dem inneren Rückgrat geführt und von dort aus in Querrichtung in die Büroräume und die Halle verteilt.

 

DIE HANDSCHRIFT DES MACHENS

Der Rohbau erzählt die Geschichte des Bauunternehmens und spielt mit seinen alltäglichen Materialien. Beton wird in seinen verschiedenen Erscheinungsformen verwendet, roh an Ort gegossen und schalungsglatt industriell vorfabriziert. Zusammengefügt zu einem Ganzen prägen die beiden Herstellungsweisen das Erscheinungsbild und umfassen den Raum mit einem Material in zwei Oberflächenqualitäten. Das Rohe – in Spannung gesetzt zum Glatten - wird zum eigentlichen Motor des Ausdrucks. Akzentuiert mit einer leicht transparenten, weissen Lasur wird das Unpräzise des Abdrucks von abgenutzten groben Schaltafeln der Ortbetonwände zu einer Metapher für die Schönheit des Gebrauchs und die Handschrift des Machens. Massive Betongesimse schliesslich fassen die Fassade aus doppelwandigen Terracottaplatten, welche dem Gebäude einen robusten keramischen Panzer verleihen.

 

FEINE HAUT

Die leichte Welle der Keramikprofile zeigt sich erst von Nahem und gibt der Fassade eine fein spürbares vertikales Muster, das sich im Tagesverlauf bei Streiflicht für kurze Zeit dramatisiert. Die zwei verwendeten Grautöne, die aufgrund von Brennprozessen mit unterschiedlich hohen Temperaturen entstehen, erzeugen ein ausdrucksvolles Farbspiel. Sämtliche Leibungselemente wurden mit demselben Terracottaprofil ausgeführt, um die Wellenstruktur optisch nicht zu unterbrechen, wobei die Ausbildung der versteckten Rollladenschienen besonderes Augenmerk verlangte. In den Gebäudekanten wurde die herkömmliche Eckausbildung auf Gehrung vermieden zugunsten von einem offenen Aneinanderstossen der Elemente, welches die Lesbarkeit der Teile markant erhöht.

 

Objekt

Neubau Büro-, Werkhofgebäude L.Gasser & Co AG

8156 Oberhasli, Schweiz

Bauzeit 2010-2011

 

Projektverantwortlich

Käferstein & Meister Architekten

Florian Berner Projektleitung

Rolf Schneider Baumanagement

 

Auszeichnungen

German Design Award 2014, 'Special Mention' für besondere Design Qualität

Architekturpreis Beton13, Engere Auswahl

ARC Award 2013 - Nominierung 'Büro-, Gewerbe-, Handels-, und Industriebauten Neubau'

Iconic Award 2013, Kategorie 'Corporate Architecture'

Hochparterre 'Goldener Hase' - Nominierung

Best Architects 2013 Award

Marketing Award 2012 - Nominierung - Auszeichnung für hochwertige 'Corporate Architecture'

IHM Preis 'geplant+ausgeführt' 2012 - Nominierung -Handwerkskammer Bayern

Swiss Architects - Bau der Woche 2011

 

Publikationen

Hochparterre 12/2012 'Das Gewerbehaus'

'An introduction to passive house' von Justin Bere London, RIBA Publishing UK

Baunetz Wissen - 'Hülle aus doppelwandigen Keramikwellen'

WERK bauen+wohnen 'Einfach spektakulär' von Thomas Schregenberger - Ausgabe 03/2012

Passivhauskonferenz 2012 Hannover 'Werte und Werkzeuge'

Architektur + Technik, Sonderheft Fassaden 2011, 'Baumeistergerecht' Bürogebäude Gasser

SIA 15n - Woche zeitgenössischer Architektur 2012

 

Photographie ©

Future Documentation I EO, F. Berner