Lebens- und Begegnungszentrum Grossfeld Kriens
Projektwettbewerb 2. Stufe

Der von den Heime Kriens AG ausgeschriebene Projektwettbewerb beinhaltet ein neues Lebens- und Begegnungszentrum mit 46 Pflegewohnungen, 56 Pflegezimmern sowie öffentliche Nutzungen. Gewünscht ist ein Ort im Herzen von Kriens, an dem ältere Menschen ihr Leben individuell gestalten können und wo nötig unterstützt werden.

Das bestehende Alters- und Pflegeheim Grossfeld ist ein Frühwerk des Architekten Walter Rüssli aus den 1960er Jahren. Die Volumetrie und skulpturale Gestaltung der Fassaden in Sichtbeton sind von hoher architektonischer Qualität. Im Norden befindet sich das Einkaufszentrum Hofmatt, dessen Adressbildung von Innen zu Fassadenrückseiten an der Luzernerstrasse, Grossfeldstrasse und Hofmattweg führt. Die drei- bis sechsgeschossigen Wohngebäude aus den 80er Jahren vermitteln etwas eigenwillig zwischen dem Einkaufszentrum und dem 60er Jahre Bau. Entlang der Grossfeldstrasse springen die kleinteiligen Wohnhäuser vor und zurück und bilden einen unruhigen Strassenraum. Die Schulhäuser westlich stehen quer zur Strasse und bilden gut proportionierte Zwischenbereiche, die als Schulhof genutzt werden. Kriens zeichnet sich hier durch ein dichtes Nebeneinander von unterschiedlichen Massstäben aus verschiedenen Epochen aus.

Das neue Lebens- und Begegnungszentrum Grossfeld steht als kompakter Baukörper im Park. Der skulpturale Turm bleibt erhalten. In der Musik kennzeichnend für eine Melodie ist, dass sie als selbständige, erinnerliche und ausdrucksvolle Gestalt wahrgenommen wird. Hier spielt der Turm die Melodie, der Neubau ist die Begleitung. Der Neubau zeigt sich als öffentlicher Stadtbaustein und ermöglicht ein Zusammenwachsen der Freiraumsequenz Bellpark und Park Grossfeld Hofmatt. Der Hauptzugang an der Grossfeldstrasse führt durch ein grosszügiges urbanes Café mit zweigeschossigem Eingangsbereich und Empfang: Auf der einen Seite der raue Beton auf der anderen feingliedrige Holzelemente, im Hintergrund der Blick in den Park. Zum Park hin geht es über in ein kleinteiliges Bistro mit Blick in den Grünraum. Hier befindet sich auch der Gemeinschaftsraum, in attraktiver Südwestlage mit Aussensitzplatz. Daneben bilden Coiffeur, Pedicure und Fitnessraum eine innere Begegnungszone. Die Küche liegt zentral mit grossem Fenster nach innen, so sieht man was gekocht wird und wer gerade mitkocht. Die Wohngruppen sind als Familienwohnungen gestaltet mit gemeinsamer Wohnstube, Esszimmer und Wohnküche. Die Bewohner haben mehrere Möglichkeiten informell mit den Nachbarn in Kontakt zu treten. Im gemeinsamen oder angrenzenden Wohnbereich, auf den Balkonen, durchs Küchenfenster hinaus auf den Flur winkend, beim kurzen Gespräch im Atrium, auf der Dachterrasse, dem Dachgarten oder im öffentlichen Café. Jeweils über Eck befinden sich attraktive zusammenschaltbare Zimmer für Paare. Im Turm gliedert die bestehende Tragstruktur den Grundriss der jeweiligen Wohnung. Als Enfilade ausgebildet sind die Räume aneinandergereiht und lassen die Wohnung dadurch geräumiger erscheinen. Die äussere Erscheinung des Begegnungszentrums ist geprägt durch den Kontrast der bestehenden Betonstruktur und des neu hinzugefügten Baus mit Holzfassade. Die Erhaltung der Turmstruktur ist ein wichtiger Beitrag zum ressourcenschonenden Bauen und zeigt die Wertschätzung bestehender Substanz die ortsprägend ist. Die Fassade aus unbehandeltem Holz geht in Dialog mit dem Beton brut und verleiht dem Gebäude eine natürliche Atmosphäre und wohltuende Kleinteiligkeit. Das Tragwerk des Neubaus besteht aus einem minimierten Stahlbetonbau mit tragenden Holzfassaden. Das Betontragwerk und die Betonfassade des bestehenden Gebäudes werden saniert und ertüchtigt. Eine konsequente Systemtrennung der Installationen berücksichtigt die unterschiedliche Lebensdauer, Wartung und Rezyklierbarkeit einzelner Komponenten. Die Fassade aus sägerauhem Lärchenholz mit französischen Fenstern ist fein gegliedert durch horizontale Betonleisten und vertikale Fensterabschlüsse.

 

Objekt

Projektwettbewerb Lebens- und Begegnungszentrum Kriens, 2. Stufe

 

Bauherrschaft

Heime Kriens AG

Leistungen

Projektwettbewerb engere Wahl, 2. Stufe

Projektverantwortlich

Miriam Weyell, Florian Berner

 

Projektbeteiligte

Sabine Kaufmann, Landschaftsarchitektin

Dr. Lüchinger Meyer Bauingenieure, Andreas Gianoli

BLM Haustechnik AG, Thomas Lüthy

Gruner AG, Ralf Schnetgöke, Brandschutz

Edit Bilder für Architektur, Yves Niederreuther

Gruber Forster, Modellbau